Was versteht man unter Zughunde?
Der Zughund ist ein wesentlicher Teil der Menschheitsgeschichte. Mal galt der Zughund als Prestigeobjekt des Adels, dann war er wieder das Zugpferd des armen Mannes. Um 1900 gab es noch ca. 150.000 Karrenhunde, die die Stadtbevölkerung mit vielen Waren versorgten. Später wurden diese Zughunde auch im Krieg eingesetzt. Zughunde waren schon immer sehr kräftige Tiere. Meist waren es Mischlinge bis hin zu den Sennenhunden, Rottweilern, Hirtenhunden, Doggen oder den belgischen Martins.
Diese Zeit ist längst überholt und die Dinge liegen heute völlig anders: es wird eine breite Beschäftigungspalette für Hunde in Hundesportvereinen und Hundeschulen angeboten. Was aber mit den großen, schweren Hunden, die nicht geeignet sind ihre Körpermasse über Hürden und Schrägwände zu wuchten, sich durch enge Slalomstangen zu zwängen, die sich nicht zur Schutzhundeausbildung oder Jagd eignen?
Große Hunde arbeiten gerne und wollen auch geistig gefordert werden. Das alleine lässt sich in hervorragender Weise mit der Zugarbeit in vielen Varianten erreichen. Große und kräftige Hunde haben noch oft „Zughundeblut“ in sich. Beim Zughundetraining lernen Hundeführer und Hund, diese Veranlagung in die richtigen Bahnen zu lenken und positiv auszunutzen. Mit etwas Fantasie finden sich auch heute Nischen für die tägliche Fahrt, bei der der Hund seine Auslastung und Beschäftigung findet.
Mit dem Erlernen des Ziehens eines Wagens fängt jeder Zughundesport an. Aber was für jede andere Hundesportart gilt, ist auch hier unbedingt zu beachten: Zughunde brauchen eine ordentliche Grundausbildung! Jedem Zughundeführer sollte klar sein, dass ein unfolgsamer oder schlecht erzogener Hund nicht auf die Straße gehört. Besonderen Spaß macht es den Hunden einen Parcours zu begehen, wobei verschiedene Hindernisse wie weite Slaloms, Tore und Stege bewältigt werden müssen. Es ist immer wieder erstaunlich wie viel Eigeninitiative die Hunde dabei entwickeln und mit welchem Ehrgeiz und Eifer sie den Parcours bewältigen.
Zughunde sind in der Regel Familienhunde, wie z.B. Hütehunde und Arbeitshunde, für die es in der heutigen Zeit keine sinnvolle und artgerechte Beschäftigung mehr gibt. All diese großen Hunderassen arbeiten gerne und eignen sich zum Ziehen. Ab 18 Monaten können junge Hunde an das Geschirr gewöhnt werden. Die Hunde sollten, bevor sie dabei voll belastet werden, ausgewachsen ist, mindestens über eine Schulterhöhe von 50 cm verfügen und mindestens 25 kg schwer ist. In der Regel verstehen die Hunde sehr schnell, um was es beim Ziehen geht. Danach sollte die Zeit im Geschirr nur langsam gesteigert werden, damit der Hund nicht den Spaß verliert. Ein geübter Zughund kann dann schon mal eine Etappe von etwa zwei Stunden zurücklegen. Dann aber muss er sich frei bewegen und trinken können. Das Ziehen bedeutet für den Hund Eigenständigkeit und Verantwortung. Vereine, bei denen man Kurse absolvieren, mitwandern, evtl. Wagen bauen oder leihen kann, finden man im Internet.
Zu Beginn eines Trainings zum Zughund wird der Hund langsam daran gewöhnt, einen Gegenstand hinter sich herzuziehen. Wenn er das sicher beherrscht, lernt er, einen Wagen zu ziehen und auf Stimmkommando Richtungswechsel durchzuführen. Nach und nach wird auch das Zuggewicht erhöht. Damit eine Prüfung ins Leistungsheft eingetragen wird, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: die Schulterhöhe des Hundes muss mindestens 50 cm betragen und er muss in der Lage sein, das Doppelte seines Körpergewichtes zu ziehen (Zugwagen + Ladung = Zuggewicht) und dabei einen Parcours zu durchqueren. Der neben dem Hund gehende Hundeführer darf den Hund nur durch verbale Kommandos lenken. Ein gut trainierter Zughund kann durchaus auch von einem etwas älteren Kind geführt werden. Das Lenken eines Zuggespannes auf der Straße ist allerdings erst ab dem 16. Lebensjahr gesetzlich erlaubt. Im Alltag kann man den Hund zum Beispiel ein im Wagen sitzendes Kind ziehen oder die Einkäufe nach Hause bringen lassen. Die Voraussetzungen für den Hundeführer sind, wie bei jedem Hundesport, gute körperliche Kondition, Geduld und eine gute Beobachtungsgabe für die Befindlichkeit seines Hundes, da gerade eifrige Zughunde zur Selbstüberforderung neigen.
Die Zughunde ziehen mit Kraft und Ausdauer und können problemlos dabei das Vier- bis Fünffache des eigenen Körpergewichts bewegen. Gut trainierte Zughunde bestimmen ihr Tempo selbst und dabei sollte man es auch belassen. Strecken bei Wanderungen von mehr als 20 km sind dabei kein Problem. Bei Veranstaltungen geht es aber mehr um Geschicklichkeit und nicht unbedingt um Bestzeiten. Es sollte jedoch auch erwähnt werden, dass eine richtige Auslastung eines trainierten Zughundes nur mit dem freien Fahren zu erreichen ist.


