Lange betrachteten viele den Hund als eine Art dummen und verwöhnten Wolf. Neue Forschungsergebnisse sprechen jedoch eine völlig andere Sprache.
Ob nun zum Beispiel im Max-Planck-Institut in Leipzig, im Clever-Dog-Lab in Wien oder in vielen anderen Forschungseinrichtungen rund um den Globus, überall auf der Welt versuchen Wissenschaftler, den waren geistigen Fähigkeiten unserer Vierbeiner auf den Grund zu gehen. Denn mittlerweile hat man eingesehen: die Intelligenz vom besten Freund des Menschen wurde lang Zeit deutlich unterschätzt. Auch eine aktuelle Studie der Eötvös Universität in Budapest konnte diese noch relativ neue Einsicht wieder bestätigen: Gabriella Lakatos und ihr Forschungsteam sollten wissen, wie gut Hunde tatsächlich darin sind, bestimmte Zeigegesten des Menschen zu verstehen. Denn schon in früheren Studien schlugen sich Hunde ausgesprochen gut darin, den ausgestreckten Zeigefinger eines Menschen als Richtungshinweis zu deuten. In den meisten Fällen suchten sie im richtigen Behälter von zweien nach einem Leckerli, wenn der Finger der Wissenschaftlerin darauf zeigte. Meist reichte schon der Blick auf das richtige Versteck aus, und die Hunde wussten Bescheid. Bei solchen Tests schneiden Hunde sogar deutlich besser ab als Schimpansen. Unsere nächsten Verwandten sind zwar ohne Zweifel intelligent, haben aber anscheinend ein Problem damit, mit uns Menschen zu kooperieren. Hunde hingegen haben den Vorteil, dass sie sich im Laufe von Tausenden von Jahren der Domestikation immer mehr auf das Verhalten und die Lebensweise des Menschen einstellen konnten. Sie kenne uns Menschen inzwischen besser als wir sie.
Trotzdem wollte Lakatos genauer wissen, ob Hunde tatsächlich den Sinn eines ausgestreckten Zeigefingers verstehen. Zum Verglich stellte die Verhaltensforscherin den Vierbeinern auch gleich Konkurrenz an die Seite: dreizehn zwei- und elf dreijährige Kinder forderten insgesamt fünfzehn Hunde heraus. Im ersten Test deutete Lakatos mit ihrem Finger auf einen Behälter, in dem sich Leckerlis befanden. Ein anderer Becker daneben war hingegen leer. Die Kinder wurden statt mit Futter mit ihrem Lieblingsspielzeug gelockt. Dabei zeigte sich, dass sowohl Kinder als auch Hunde immer im richtigen Behältnis suchten, wenn der Zeigefinger der Forscherin mit ausgestrecktem Arm auf das Behältnis deutete. War hingegen der Arm angewinkelt und der Zeigefinger zum Beispiel nach rechts, die Spitze des Ellenbogens hingegen nach lins gerichtet tendierten die Hunde und die Zweijährigen dazu, den Ellenbogen als richtungweisend zu werten. Sie verstanden den Sinn des Zeigefingers nicht, sondern orientierten sich an dem Körperteil, das am weitesten aus dem Körperumriss hervortrat. Die Dreijährigen waren hingegen schon so reif, die Geste richtig zu deuten.
Laut dem Fachmagazin Animal-Cognition schlossen die ungarischen Forscher daraus, dass Hunde ähnlich schlau sein müssten wie zweijährige Kinder. Ein Ergebnis, das übrigens gut zu dem Statement passt, das kürzlich Stanley Coren von der University of British Columbia auf der Jahrestagung der American Psychological Association in Toronto abgegeben hat. Nach Meinung des Psychologen besitzen Hunde in etwa die geistigen Fähigkeiten eines zweieinhalbjährigen Kindes. Darauf würde die Auswertung zahlreicher Studien hindeuten. Hunde könnten bis fünf zählen, bis zu 250 Begriffe lernen, ihren Menschen mutwillig täuschen und vieles mehr.


